Die Quiddjes

In Hamburg gibt es eine klare Dreiklassengesellschaft: Es gibt geborene Hamburger, gebürtige Hamburger und Quiddjes. Zeigen die ersten beiden Bezeichnungen, dass man entweder Hamburger der dritten Generation oder dort auf die Welt gekommen ist, ist ein Quiddje ein zugezogener Hamburger. Die Begrifflichkeit kommt (wahrscheinlich, genau weiß das keiner mehr) vom französischen „quitté“, der Aufenthaltsgenehmigung für auswärtige Händler, die notwendig war, um die Stadttore zu passieren und in der Stadt Waren zu verkaufen.

Hamburg wächst, die Quiddjes wachsen auch – und zwar nicht nur in der Höhe, sondern auch in ihrer Zahl. Angefangen hat es mit Ralf, Simone und Tom kamen hinzu, dann Doris und Dieter sowie Julian; wir alle haben Hamburg als lebenswerte und aufregende Stadt kennen und lieben gelernt.

Simone & Ralf

Simone und RalfWährend Ralf schon Mitte 2005 nach Hamburg gezogen ist (nachdem er sich in den Jahren 2002 und 2003 bei der Projektarbeit in die Stadt verliebte, wohnte er zunächst in Fuhlsbüttel in einer WG), zog es Simone und ihren Sohn erst im April 2006 dort hin, als die neue Patchworkfamilie in Neu-Allermöhe eine wirklich tolle Wohnung fanden: Über zwei Etagen mit Balkon und Terrasse, direkt am Fleet gelegen, Kindergarten und Grundschule für Tom keine fünf Fußminuten entfernt, mit Einkaufsmöglichkeiten (inkl. Lieferservice) und perfekter ÖPNV-Anbindung (S-Bahn, 10-Minuten-Takt, 15 Minuten bis zum Hbf).

Die Terrasse ist dann auch, wann immer das Wetter es so gerade erlaubt, das bevorzugte Büro für Ralf — hier schreibt er Konzepte, entwickelt Applikationen in den SAP-Systemen seiner Kunden, verfasst er Datenschutzhandbücher und Ähnliches; ein Büro gibt es für sein Unternehmen Heuristika nicht, zumindest so lange nicht, wie das nicht gebraucht wird. Simone hat sich stattdessen als Partnerin in der Rechtsanwaltskanzlei Breuning & Winkler im Zentrum von Bergedorf niedergelassen.

Authentizität ist DAS tragende Schlagwort, wenn man die beiden kennenlernt. Oberflächlichkeiten (insbesondere materielle) sind ihnen weitgehend fremd, so dass sie sogar auf ein Auto verzichten, weil sie es objektiv nicht brauchen und daher keine Verwendung dafür haben.

Tom, Julian & Dennis

Tom, Julian & Dennis im Museum für Hamburgische GeschichteAls richtige Patchworkfamilie haben Simone und Ralf „natürlich“ auch getrennte Kinder – während ihr Sohn Tom und sein ältester Bruder Julian bei den beiden leben, ist Dennis ein „Besuchskind“, entsprechend selten in Hamburg und daher hier auch nur als Zaungast vertreten.

Wir alle haben noch die Hoffnung, dass er es sich anders überlegt und nach Hamburg zieht.

JulianJulian ist Spätberufener und wohnt erst seit Anfang Juni 2012 in Hamburg, nachdem er sechs Jahre lang ausgiebig studieren konnte, wie es sich hier lebt. Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sein langjährig gewohntes Umfeld zu verlassen und fernab der „alten Heimat“ ein neues Leben anzufangen — angefangen von der neuen Schule über einen komplett neuen Freundeskreis bis hin zu komplett anderen familiären Abläufen, die ihre Ursache in einem gänzlich anderen Lebensentwurf haben.

Doris & Dieter

Doris und Dieter hat es im Oktober 2011 nach Hamburg verschlagen. Neben seiner Leidenschaft, der Holzbildhauerei, ist Dieter Angestellter in Ralfs Firma mit der herausfordernden Aufgabe, endlich mal Struktur in den Laden zu bringen. Herausfordernd ist die Aufgabe auch, weil er mit 60 Jahren sich auf vollkommen andere technische Arbeitsmittel einstellen musste, der Satz „ab jetzt arbeitest du mit Windows 10“ war der Einstieg in die Applewelt, die sich doch in einigen Dingen von der derzeitigen Windowswelt unterscheidet, wenngleich Windows 8 schon einen ziemlichen Schritt in eine ähnliche Bedienphilosophie macht. Außerdem ist das allgegenwärtige SmartPhone auch neu für ihn. Es verwundert aber keineswegs, dass er diese Herausforderung meistert.