Das musste jetzt mal raus

12. September 2013 | Von | Kategorie: Hamburg, meine Perle, Leitartikel

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Julian und Tom gehen, obschon Geschwister, auf verschiedene Stadtteilschulen. Luftlinie liegen die Schulen vielleicht einen Kilometer auseinander – vom Gefühl her liegen dazwischen Welten. Es handelt sich bei beiden um Stadtteilschulen, die Grundzüge sollten also ähnlich sein.

Während in der einen Schule für 23 Schüler zwei Lehrer, eine Sozialarbeiterin und eine Sonderschullehrerin da sind, so dass ein Stundenausfall quasi nicht vorkommen kann, fallen bei der anderen jede Woche pro Klasse im Schnitt zwei Stunden aus.

In dieses Bild passt auch eine SMS des Großen von gestern:

Montag hat Frau H.  allen gesagt, sie wolle, dass alle Schüler am Dienstag rechtzeitig kommen, weil dort jemand kommen wollte, der den Unterricht ansehen will. Alle anderen und auch ich haben es also geschafft rechtzeitig zu kommen, aber sie selber natürlich nicht. Wir haben da also alle gewartet und auch diese Person… Jetzt stellte sich heraus, dass diese Person Frau H’s Vorgesetzte war, der sie wohl zeigen wollte, dass sie eine herausragende und zuverlässige Klasse hat. Nach einer Stunde Wartezeit sagte diese Chefin uns höflich, SEHR höflich, dass sie extrem angepisst von der Warterei sei und jetzt in ihr Büro ginge. 15 min vor Ende der Dppelstunde, tauchte Frau H. endlich auf. Entschuldigte sich (so wie immer) und ging in das Büro der Chefin.

Wie um alles in der Welt soll man denn einen Jugendlichen, der schwer aus dem Bett kommt, klar machen, dass Pünktlichkeit mehr als Höflichkeit ist, wenn selbst die Lehrerin mit schöner Regelmäßigkeit zu spät kommt?

Auch was den Unterricht angeht liegen Welten zwischen den Schulen. In der einen Frontalunterricht in dem die Schüler aufpassen oder auch nicht – je nach Gusto – und in der anderen Schule Lernen in Kleingruppen, entsprechend dem Lerntempo der Kinder und unter Einbeziehung der Interessen und Stärken.

Man kann über das Schulsystem der DDR sagen was man will, aber ein einheitlicher Lehrplan statt Rahmenlehrplänen und die Abschaffung von E- und G-Kursen, die kein Mensch braucht und eher schädlich sind, würden nicht nur der Chancengleichheit dienen, sondern auch der Motivation der Kinder. Meiner Meinung nach kann es nicht sein, dass die Wahl der Schule über die weitere Zukunft entscheidet.

So. Das musste jetzt mal raus.

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Ein Kommentar auf "Das musste jetzt mal raus"

  1. Katja sagt:

    Einfach ungeheuerlich!!! In der normalen, freien Wirtschaft wäre das undenkbar – nur im Öffentlichen Dienst klappt das auf Steuergelder irgendwie ganz gut… zu Lasten der Kinder.
    Mit 2 Ausfallstunden pro Woche seid ihr allerdings noch sehr gut aufgestellt, so blöd das klingt. Ich denke auch, die Qualität des Unterrichts hat nicht immer (aber auch) etwas mit der Unterrichtsform zu tun oder der Schule, sondern steht und fällt mit dem entsprechenden Lehrer. Es sollte dort wirklich mehr auf Qualität geachtet werden. So oft wie möglich. *fürchterlichaufreg*