Die iPhone-Lüge und andere Legenden über China

25. März 2012 | Von | Kategorie: An Apple a day....., Wahnwogen

Ein Satz vorweg: Wie alle Artikel läd auch dieser zum Kommentieren ein. Zustimmend, kritisch, zurückweisend - wie auch immer. Wir freuen uns über jeden Kommentar, sofern er nicht gerade aus Kommentarspam besteht.

In Zeiten, in denen jeder alles über China zu wissen glaubt und sich öffentlich (z. B. in Foren) darüber äußert, sollte man gelegentlich mal in sich gehen und mit den Realitäten befassen. Dieser Artikel versucht, genau das zu tun.

Eine ganze Reihe von Mythen und Halbwahrheiten gehen um, wie auch manche Wahrheiten, die man unterschiedlich interpretieren kann.

China und die Demokratie

Dass China kein demokratisches Land westeuropäischer oder US-amerikanischer Prägung ist, liegt auf der Hand, die Frage ist vielmehr, ob es dadurch schlechter ist als hier.
Ohne darüber jetzt eine Dissertation schreiben zu wollen oder auch nur zu können, gibt es sicher eine Menge Gründe, „unser“ System kritisch zu sehen, das Häftlinge in Guantanamo toleriert, Angriffskriege durchführt bzw. unterstützt (wie lautete noch gleich die Rechtfertigung für den zweiten Golfkrieg? Atomwaffenprogramme des Irak und angeblich vorhandene Massenvernichtungsmittel?), ganze Länder systematisch in den Bankrott geführt werden, (Griechenland erhält Kredite, wird aber gleichzeitig dazu gezwungen, damit nur die bestehenden Kredite zu bedienen und die eigene Wirtschaft nachhaltig zum Erliegen zu bringen), außerdem die Verscherbelung von Volkseigentum (neudeutsch „Privatisierung“) und den Niedergang des Sozialstaates unter Gängelung der Ärmsten in diesem Land (Hartz IV) fördert. Man könnte diese Liste noch viel weiter führen, denn die Punkte, warum man mit unserem System unzufrieden sein könnte, nimmt monatlich an der Zahl zu, bis hin zur perfiden Datensammelei unseres Staates und der USA unter dem Deckmantel der Terrorristenaufdeckung.

Da muss doch die Frage erlaubt sein: Wenn das chinesische Gesellschaftssystem schafft, woran wir immer wieder scheitern — nämlich dass es wirklich allen besser geht — warum ist das System dann schlechter als unseres? Weil es in bestimmten Fällen die Menschenrechte ignoriert? Etwa so wie in Guantanamo? Etwa so wie durch Herrn Rumsfeld, der einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den (inzwischen „befriedeten“) Irak mit Lügen gerechtfertigt hat? Oder wie US-Justizminister Holden (Die USA haben „das Recht und die Pflicht“, Terrorverdächtige weltweit zu jagen und zu töten — wir sprechen hier von Verdächtigen, denen also bisher nichtmal etwas nachgewiesen wurde!).

Von den Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken

Erstaunlich viele Menschen sind Experten darin, wie es in chin. Fabriken und insbesondere bei Foxconn zugeht — und für nicht erstaunlich viele Journalisten ist das ein Schlagzeilenmacher. Wenn man die Selbstmordraten bei Foxconn aber in Realtion setzt zu denen in deutschen Fabriken oder US-amerikanischen Universitäten, ist das angeblich „unmenschlich“.

Zum Einen muss man feststellen, dass nicht jeder, der sich das Leben nimmt, dies tut, weil er mit einen Arbeitsbedingungen unzufrieden ist, ansonsten würden Daimler-Angestellte wohl keinen Suizid begehen; in der Tat ist die Selbstmordrate unter Angestellten deutscher Fabriken nicht niedriger als unter Foxconn-Angestellten.

Zum Anderen muss man weiterhin konstatieren, dass eine ganze Menge anderer Hersteller bei Foxconn produzieren lassen. Die Kunden dieser Firmen sind erstaunlich schnell darin, Applekunden zu diffamieren, die Unternehmen selbst befleißigen sich einer erstaunlichen Wortkargheit, weil sie sonst kostenträchtige Maßnahmen durchführen wie Apple das seit einer Weile tut, z. B. das Einschalten der Fair Labor Association (FLA), deren Präsident sich übrigens sehr positiv über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn geäußert hat.

Dass Apple-Bashing inzwischen ein Geschäft geworden ist, zeigt das Beispiel Mike Daisey, der inzwischen zugeben musste, reichlich erfundene und fälschlich dargestellte „Fakten“ als wahr deklariert zu haben.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass natürlich die Arbeitsbedingungen in China nicht zu vergleichen sind mit den hiesigen, Foxconn aber immer noch besser dasteht als viele andere Fabriken und insbesondere die Textilindustrie in Bangladesh, deren Erzeugnisse die allermeisten von uns täglich tragen, ohne uns darüber Gedanken zu machen — statt zum Beispiel bei Trigema zu kaufen, die komplett in Deutschland fertigen, aber das ist uns allen ja zu teuer. Bleiben wir aber in der IT und den Arbeitsbedingungen, sollten wir viel eher nach Afrika gucken, wo seltene Erden unter wirklich unmenschlichen Bedingungen gewonnen werden.

Vergleichen wir das Aufstreben zweier völlig unterschiedlicher Wirtschaftsmächte zu völlig unterschiedlichen Zeiten, nämlich Deutschland zu Zeiten der Industrialisierung und China heute, stellt man erstaunliche Parallelen fest. Schlechte Arbeitsbedingungen (verglichen mit den hiesigen heutzutage als Referenz, zu meiner Jugendzeit im Speckgürtel des Ruhrgebietes waren Staublungen ebenso normal wie die Tatsache, dass man seine Wäsche im Ruhrgebiet nicht draußen aufhängen konnte, weil sie dort schwarz wurde), gepaart mit steigendem Wohlstand, dem eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gerade zwangsläufig folgt. Letzteres passiert gerade in China und wird dort auch weiter passieren.

Die entscheidende Frage wird sein, wie sich der Wohlstand in China verteilt. Gelingt dies dort gerechter, stehen unsere Demokratien ziemlich doof da….

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