Jonni von der Rolle

27. Februar 2012 | Von | Kategorie: Wahnwogen

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Die Wiese vor der Verlegung des RollrasensEin junges Paar heiratet – und will aus diesem Anlass unter anderem auch den Garten “renovieren”, in dem ein Teil der Feierlichkeiten stattfinden soll. Dieser Garten besteht im Wesentlichen aus ca. 60qm von etwas, das man als “Wiese” bezeichnen könnte. Da keiner der beiden Lust hat, auf konventionellem Wege einen ordentlichen Rasen anzulegen, beauftragen sie einen Landschaftsgärtner mit dem Ausbringen eines Rollrasens – und treten damit eine gerichtliche Auseinandersetzung los, die lange andauern wird.

Doch beginnen wir von vorn. Die Hochzeitsvorbereitungen sind längst im Gange, geheiratet werden soll am Pfingstwochenende 2009. Ein paar Monate vorher (nämlich im Januar 2009) wird ein Angebot für die Verlegung eines Rollrasens vom Rollrasenhof Nord (Fa. Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH) eingeholt und Wert darauf gelegt, dass der Landschaftsgärtner, Herr Borgmann, sich die Fläche vor Ort ansieht – um nicht Gefahr zu laufen, dass es später heißt, das ginge ja gar nicht oder es werde teurer, zumal eine Weide am Rand der geplanten Rasenfläche stand, auf die er auch explizit angesprochen wird. Nachdem bei diesem Besuch am 09.04.2010 die Unbedenklichkeit des Landschaftsgärtners (lt. Impressum „Jonni“) Borgmann eingeholt war, wurde der Termin auf den 12. Mai gelegt, also etwa einen halben Monat vor der eigentlichen Hochzeit. Dieses Datum wird sich noch als wichtig erweisen, weil es der Grund für ein Strafverfahren sein wird – aber dazu später mehr. Kosten solle das Ganze 1.500 EUR, ein stolzer Preis.

Erdarbeiten“Nebenbei” wurden noch ein paar Arbeiten erledigt, zum Beispiel ein strauchartiges Gewächs entfernt, das ohnehin nur im Weg war und vor Ungeziefer nur wimmelte, sowie der Boden fast komplett ausgetauscht. Nach gut einem Tag Arbeit war der Rollrasen verlegt und das Paar zeigte sich begeistert über den makellosen Rasen, der jetzt nur noch anwachsen musste. Da ein Langzeitdünger unter dem Rasen liege, so der die “Renovierung” durchführende Subunternehmer (über den das Paar etwas erstaunt war, weil die beiden eigentlich dachten, sie hätten die Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH beauftragt), brauche man auch nicht zu düngen, lediglich regelmäßig ordentlich wässern und mähen solle man ihn. Zuviel wässern könne man indes nicht, weil der Boden so angelegt sei, dass überschüssiges Wasser einfach durchlaufe.

Der Rasen ist fertig

Der frisch verlegte RollrasenSo tat das Paar und gerade das Mähen machte sogar richtig Spaß. Auf Anraten von Kundigen wurde kein Elektrorasenmäher, sondern ein Spindelmäher hierfür angeschafft, weil dieser eher schneidet als reißt. Das Mähgut wurde dann später mit einem Rechen zusammengeharkt und entsorgt. Auch die Hochzeit wurde noch ein kleines bisschen schöner durch eben diese makellose Rasenfläche.

Doch schon nach vier bis sechs Wochen zeigten sich braune Stellen und eine merkliche Ausdünnung der Rasenfläche, insbesondere unter der Weide. Dies wurde fotografisch dokumentiert und der Auftragnehmer (aus Sicht des Paares: Rollrasenhof Nord bzw. Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH) am 19.06.2010, 24.06.2010 und 02.08.2010 aufgefordert, mitzuteilen, was man denn machen könne. Zweimal kam der Subunternehmer vorbei, streute dabei etwas aus von dem er weder sage wollte was das ist noch etwas dalassen wollte, damit das Paar “nachstreuen” kann, wenn sich dies als notwendig erweisen sollte. Herr Borgmann selbst ist nie dort gewesen, um sich über den Stand der Dinge zu informieren.

Rollrasen 2010Es trat keine Besserung ein, es wurde weiterhin immer schlechter um den Rasen, trotz mehrfacher Aufforderung reagierte die Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH nicht mehr, auch nicht im Folgejahr, als sich das wahre Ausmaß der Schäden erst richtig deutlich zeigte, die Rasenfläche war zu ca. 50% praktisch kahl. Dass ein Rasen unter winterlicher Witterung leidet, ist klar, aber SO? Im Verlaufe dieser Streitigkeit zeigte sich, dass der Rollrasen irgendwann fast gar nicht mehr wuchs, Herr Wenzel schob den Mäher, um zu sehen, dass gelegentlich der eine oder andere Grashalm gekappt wurde, genug zum Zusammenharken kam dabei nie mehr zusammen.

Da keinerlei Reaktion erfolgte, wollte der Rasenbesitzer nun etwas mehr Dampf in seine Forderung bringen und beauftragte einen Anwalt, sich an die Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH zu wenden. Da auch dies mitsamt der Fristsetzung zum 07.04.2010 und Klageandrohung fruchtlos war, wurde nun ein Mahnbescheid über die gesamten Kosten des Rollrasens erwirkt. In letzter Sekunde wurde diesem widersprochen, so dass klar wurde: Es würde vor Gericht weitergehen.

“Wir haben wirklich alle Möglichkeiten wahrgenommen, eine außergerichtliche Einigung zu erreichen, aber es wurde nicht nennenswert reagiert. So hatte ich die Hoffnung, dass wenigstens auf ein anwaltliches Schreiben reagiert werden würde. Wir wollten nie einen Prozess!” (Ralf Wenzel)

Die erste mündliche Verhandlung

Am 13.09.2010 kam es zur mündlichen Verhandlung: Zunächst zeigten beide Parteien Fotos, wobei die von der Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH vorgebrachten Bilder viel weniger detailliert waren. Kommentiert wurde dies mit dem Hinweis, dass man das Grundstück ja nicht betreten durfte.

“An der Stelle war ich nicht schlagfertig genug. Ich hätte an dieser Stelle sagen müssen, dass ich überhaupt nichts dagegen gehabt hätte, wäre Herr Borgmann vorstellig geworden – das haben all meine Mails und Briefe nicht geschafft.” (Ralf Wenzel)

Der Vertreter der Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH hat gleich zu beginn der Verhandlung festgestellt, dass sie auf einen Vergleich nicht eingehen werden, weil sie selbst den Rasen nur zugekauft hätten und ihn gleichermaßen beanstanden werden, sollten sie diesen Prozess verlieren. Dies ist erstaunlich, denn den Streit haben sie dem Verkäufer des Rollrasens nicht verkündet, was aber notwendig gewesen wäre. Außerdem folgt nicht zwangsläufig aus einem Verlieren des Prozesses, dass der Rasen an sich mangelhaft war, sondern es könnte auch an Fehlern beim Verlegen liegen. Abgesehen davon: Wenn der Lieferant des Rollrasens der Rollrasenhof Nord ist müsste sich Herr Borgmann schon selbst verklagen.

Die zweite mündliche Verhandlung – Zeugenaussagen

Wirklich überraschend verlief der zweite Termin zur mündlichen Verhandlung, bei dem nun Zeugen darüber aussagen sollten, ob die notwendige Rasenpflege durchgeführt wurde. Die Aussagen der als Zeugen der Klageseite benannten Nachbarn von Herrn Wenzel belegten, dass sowohl das Mähen wie auch das Wässern des Rasens regelmäßig erfolgt seien und die Zeugen in ihrem Garten unter schwierigeren Bedingungen einen ordentlichen Rasen vorweisen können.

Der entfernte Strauch mit dem falsch aussagenden ZeugenAls Zeuge der Gegenseite trat der Subunternehmer auf, der deutlich darauf hinwies, dass bei den Nachbesserungsversuchen (also dem Ausstreuen einer bisher unbekannten Substanz) der Rasen ungepflegt aussah. Erstaunlicherweise hat er dem Kläger damals nicht gesagt, dass (für ihn offensichtlich) mangelnde Pflege die Ursache für den Rasenzustand ist. Konkretisieren konnte er es jedoch nicht. Stattdessen behauptete er, der Rasen sei im April 2009 verlegt worden (obwohl längst aktenkundig war, dass die Verlegung am 12. und 13. Mai erfolgt ist) und dass es in diesem April sehr heiß gewesen sei, darum könne er sich auch noch so genau daran erinnern. Außerdem hätte man ja aufgrund der Mängelrüge des Klägers einen weiteren, komplett neuen Rollrasen ausgebracht.

Nun waren der Kläger Ralf Wenzel, sein Anwalt Kai Breuning wie auch der Richter gleichermaßen “platt” – denn keine dieser Personen hatte bisher davon gewusst, was insbesondere beim Kläger erstaunlich war, denn den Rollrasen auszutauschen ohne Wissen oder Bemerken des Auftraggebers ist eine Kunst, für die es sicherlich einen Markt gäbe. Dennoch blieb der Zeuge bei seiner Aussage, konnte aber nicht einmal ungefähr (von der Jahreszeit her) sagen, wann denn diese zweite Verlegung stattgefunden haben soll. Im Anschluss an die Verhandlung wurde Herr Breuning dann vom Kläger, Herrn Wenzel, aufgefordert, eine Strafanzeige gegen den Subunternehmer wegen uneidlicher Falschaussage zu stellen.

Zum großen Erstaunen der Klagevertretung wollte die Firma Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH das Verfahren auf die Spitze treiben und ein Sachverständigengutachten einholen.

“Der Vorschuss für das Gutachten betrug 750 Euro – hätte die Borgmann & Eckholdt Garten- und Landschaftsbau GmbH das als Entgegenkommen angeboten, hätte ich nie geklagt, schon der umfangreichen Erdarbeiten wegen. Stattdessen werfen die das für einen Gutachter raus, der feststellt, was wir alle wussten: Dass man nach zwei Jahren nicht mehr feststellen kann, warum der Rasen eingegangen ist.” (Ralf Wenzel)

Das Gutachten

Am 17.08.2011 war es dann soweit. Der Gutachter traf ein, Herr Borgmann sowie die Herren Wenzel und Breuning waren vor Ort (das war übrigens erst das zweite Mal (nach der Inaugenscheinnahme vor der Rollrasenverlegung) dass Herr Borgmann einen Blick auf den Rasen warf). Der Gutachter vermaß penibel die Stellen, die er für schadhaft hielt, ermittelte, wieviel Liter Wasser beim Sprengen pro Minute durch den Schlauch flossen und machte eine Reihe von Fotos.

“Da war ich platt – ich dachte der guckt sich das nur kurz an. Immerhin hat er mal die Wassermenge ermittelt, mit der wir bewässert haben und hätte mir bestimmt sagen können, wie lange ich bewässern muss. Die Frage habe ich der Gegenseite mehrfach gestellt ohne eine qualifizierte Antwort zu erhalten.” (Ralf Wenzel)

Leider waren nicht alle Stellen, die die Klageseite als mangelhaft bezeichnet, als mangelhaft zu bezeichnen. Herr Wenzel musste lernen, dass es tatsächlich eine DIN-Norm gibt, die besagt, dass ein Rasen bei mindestens 75% Bodendeckung abnahmefähig ist.

Das Gutachten enthielt aber keine weiteren Überraschungen für die klagende Seite: Zwar sei ein Bereich zwar nach DIN mit mind. 75% abnahmefähig, ein weiterer großer Bereich (der im Umfeld der Weide) jedoch nicht, man könne aber nach zwei Jahren nicht mehr feststellen, woran das wohl gelegen haben könnte. Die Hauptaufgabe, nämlich die Behauptung der Beklagten nachzuweisen, dass nicht ausreichend gemäht oder gewässert wurde, wurde nicht erfüllt, so dass es für diese Behauptung der Beklagten nach wie vor nicht den Anschein eines Beweises gibt.

Nun überraschte die Beklagte, die mit dem Gutachten überhaupt nicht zufrieden war, mit vollkommen neuer Argumentation (die – von Rechts wegen – verspätet vorgebracht wird): Der Rasen sei nach Ansicht der Beklagten angewachsen und damit die Bedingungen für Fertigrasen damit erfüllt. Die geforderte Bodendeckung von 75% nach DIN 18917 sei daher völlig unerheblich und für diesen Fall nicht anwendbar. Hier wird also die Mangelhaftigkeit des Rasens als solche bestritten, was bisher nicht der Fall war. Außerdem wachse unter der Weide ohnehin nichts, das liege in der Natur der Sache. Dass man das vor der Rollrasenverlegung hätte sagen müssen (deshalb war Herr Borgmann ja vor Ort gebeten worden), spielte in der Argumentation der Beklagten keine Rolle. Genau diese Vorhaltungen machte der Anwalt des Rollrasenbesitzers, Kai Breuning, in seiner Erwiderung der Gegenseite.

Für die klagende Seite war der Fall klar: Der Rasen war bereits nach sechs Wochen und ist nach wie vor mangelhaft, was nun durch das Gutachten der Beklagten nachgewiesen wurde. Nicht nachgewiesen werden konnte, dass es im Verschulden des Klägers liegt, stattdessen gibt es Zeugenaussagen, die nachweisen, dass der Rasen rasenüblich gepflegt wurde. Das Drehen der gegenseitigen Argumentation um 180 Grad zeigt, dass sie mit ihrer ursprünglichen Argumentation nicht weiterkamen. Eigentlich könnte der Richter jetzt urteilen. Herr Wenzel wäre immer noch zu einer Teilung des Schadens bereit, aber nur unter der Bedingung, dass die Gerichtskosten, die nur durch das Nichtstun der Gegenseite entstanden und in der Folge (durch ein Sachverständigengutachten mit erwartbarem Ausgang) künstlich hochgetrieben wurde, vollständig von der Beklagten getragen würden, denn ansonsten würden eben diese (durch ihn anteilig zu tragenden) Kosten die Entschädigung wieder auffressen, ggf. müsste er sogar draufzahlen.

Und noch eine Mündliche Verhandlung

Nun bestand die Gegenseite aber noch auf Rückfragen an den Gutachter, so dass eine weitere mündliche Verhandlung angesetzt wurde. In dieser sagte der Gutachter u. a. aus, dass sich auf ca. 1/3 der Fläche keinesfalls Rasen halten könne, dazu müsste der umliegende Bewuchs (außerhalb des Grundstückes) auf ca. 1m Höhe beschnitten werden.

Das Urteil

Das Urteil ging dann aus wie das Hornberger Schießen: Der Kläger gewinnt zu 2/3. Man könnte das aber auch so zusammenfassen:

  • Die Beklagte hat sich nie verhandlungsbereit gezeigt
  • Die Beklagte hat sich nie vergleichsbereit gezeigt
  • Die Beklagte hat die Kosten unnütz in die Höhe getrieben 1
  • Der Zeuge 2 der Beklagten verstrickte sich in Falschaussagen 3
  • Ohne den Beratungsfehler der Beklagten wäre der Auftrag nie ergangen
  • Daher wählt der Kläger eher die Beschreibung „zu einem Drittel verloren“, wie das Hornberger Schießen geht das Ganze aus, weil von den „zurückgewonnenen“ 2/3 der aufgewendeten Rollrasenkosten ein Drittel der Kosten für das ganze Verfahren getragen werden müssen. Das wird sich, insbesondere aufgrund des Gutachtens, gegenseitig praktisch aufheben.

    Hätte die Beklagte VOR dem Prozess einer 50/50-Lösung zugestimmt, hätte der Kläger 750 EUR wirklich erhalten und behalten können und die Beklagte hätte erhebliche Kosten eingespart.

    Zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels hat die Kanzlei des Klägers der Firma Bormann & Eckhold eine Kontenpfändung durchführen müssen, weil nach Rechtskraft und Kostenfestsetzung keine Zahlung des Beklagten erfolgt ist.

    1. denn schließlich und endlich ist das von ihnen angestrengte Gutachten gegen sie ergangen
    2. der gleichzeitig als Subunternehmer finanziell vom Beklagten abhängig ist
    3. die folgenlos blieben, weil der Staatsanwalt auf einen Formfehler erkannte

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