Das musste jetzt mal raus

Julian und Tom gehen, obschon Geschwister, auf verschiedene Stadtteilschulen. Luftlinie liegen die Schulen vielleicht einen Kilometer auseinander – vom Gefühl her liegen dazwischen Welten. Es handelt sich bei beiden um Stadtteilschulen, die Grundzüge sollten also ähnlich sein.

Während in der einen Schule für 23 Schüler zwei Lehrer, eine Sozialarbeiterin und eine Sonderschullehrerin da sind, so dass ein Stundenausfall quasi nicht vorkommen kann, fallen bei der anderen jede Woche pro Klasse im Schnitt zwei Stunden aus.

In dieses Bild passt auch eine SMS des Großen von gestern:

Montag hat Frau H.  allen gesagt, sie wolle, dass alle Schüler am Dienstag rechtzeitig kommen, weil dort jemand kommen wollte, der den Unterricht ansehen will. Alle anderen und auch ich haben es also geschafft rechtzeitig zu kommen, aber sie selber natürlich nicht. Wir haben da also alle gewartet und auch diese Person… Jetzt stellte sich heraus, dass diese Person Frau H’s Vorgesetzte war, der sie wohl zeigen wollte, dass sie eine herausragende und zuverlässige Klasse hat. Nach einer Stunde Wartezeit sagte diese Chefin uns höflich, SEHR höflich, dass sie extrem angepisst von der Warterei sei und jetzt in ihr Büro ginge. 15 min vor Ende der Dppelstunde, tauchte Frau H. endlich auf. Entschuldigte sich (so wie immer) und ging in das Büro der Chefin.

Wie um alles in der Welt soll man denn einen Jugendlichen, der schwer aus dem Bett kommt, klar machen, dass Pünktlichkeit mehr als Höflichkeit ist, wenn selbst die Lehrerin mit schöner Regelmäßigkeit zu spät kommt?

Auch was den Unterricht angeht liegen Welten zwischen den Schulen. In der einen Frontalunterricht in dem die Schüler aufpassen oder auch nicht – je nach Gusto – und in der anderen Schule Lernen in Kleingruppen, entsprechend dem Lerntempo der Kinder und unter Einbeziehung der Interessen und Stärken.

Man kann über das Schulsystem der DDR sagen was man will, aber ein einheitlicher Lehrplan statt Rahmenlehrplänen und die Abschaffung von E- und G-Kursen, die kein Mensch braucht und eher schädlich sind, würden nicht nur der Chancengleichheit dienen, sondern auch der Motivation der Kinder. Meiner Meinung nach kann es nicht sein, dass die Wahl der Schule über die weitere Zukunft entscheidet.

So. Das musste jetzt mal raus.

Wiedervereinigung im ganz kleinen Kreis

Ich bin ein Suchbild - in mir sind zwei Hamburger versteckt

Ich bin ein Suchbild – in mir sind zwei Hamburger versteckt

Es ist, als wäre es gestern gewesen. April 2006, Simone und Ralf haben gerade in Allermöhe die gemeinsame Wohnung bezogen, Julian und Dennis sind auf Papa-Besuch in den Osterferien. Ein Spaziergang durch Allermöhe zeigt: Badeseen, Bolzplätze, Schulen in Sichtweite, Spielplätze noch und nöcher, Fleete durchziehen den Ort. Begeistert von Allermöhe sagte Julian damals:“Das ist so toll hier, hier möchte ich auch wohnen!“ – mit diesem Satz beginnt ein Familiendrama, das am 2. Juni 2012 sein Ende finden sollte.

Scheidungs-Schicksal

Dieses Familiendrama beginnt mit Tränen, als klar wurde, dass dies ein kompletter Neuanfang für die beiden Kinder wäre, insbesondere mit einem Schulwechsel und weiter Entfernung zu den jetzigen Bezugspersonen verbunden. In den nächsten Jahren sollte sich Ralf immer wieder aufs Neue fragen, ob er dies nicht unter den Tisch hätte kehren sollen, denn von dem Moment an, wo er seinen Kindern das klar machte, war das Thema praktisch tot. Trotz mehrfacher Angebote sollten Julian und Dennis nie wieder ernsthaft darüber nachdenken, in Hamburg zu wohnen. Dennoch würde er wohl jederzeit wieder so handeln, sein Anspruch an seine eigene Ehrlichkeit ließe gar nichts anderes zu.
Stattdessen ging ein Riss durch die Familie, weil einige (hier nicht näher genannte) Personen weniger fair zu den Kindern waren und an ihre eigenen Vorteile dachten. So hoben sie z. B. die praktisch nicht vorhandene berufliche Reisetätigkeit hervor, was Ralf dazu veranlasste, für eine geraume Zeit den Kontakt zu diesen Personen abzubrechen.

Die Wende

Zu völlig unerwarteter Zeit und aus völlig unerwarteter Richtung kam dann eine nicht vorherzusehende Entwicklung. Julians schulische Leistungen (und der Schulbesuch an sich) entwickelten sich seit geraumer Zeit negativ, bis er schließlich fast gar nicht mehr in der Schule war. Seiner Mutter hatte letztlich keine Mittel dagegen, so dass sein Klassenlehrer einen Umzug nach Hamburg anregte. So stand Ralf am 2.6.12 mit leuchtenden Augen mitsamt Mietwagen vor dem bisherigen Wohnsitz von Julian, um ihn abzuholen. Schon auf der Heimfahrt stellte sich schnell heraus, dass die beiden sich prächtig verstehen werden.
Das Foto entstand nach der Wohnsitzummeldung und trägt den Titel: „Ich bin ein Suchbild – in diesem Bild sind zwei Hamburger versteckt!“

Fazit nach sechs Monaten

Es zeigte sich sehr schnell, dass diese Entwicklung gut und richtig war. Julian genießt das neue Umfeld und die neuen Bezugspersonen, Ralf dass er endlich „richtig“ Vater ist, Tom hat endlich den lange ersehnten großen Bruder, Simone plötzlich ein fast erwachsenes Kind und wir alle sind ein bisschen mehr „Familie“ geworden. Sogar schulisch hat Julian der Ehrgeiz gepackt, keine Spur von den Problemen, die vorausgesehen wurden. Und das Wichtigste ist: Julian fühlt sich wohl in der weitaus toleranteren, lebendigeren und attraktiveren Stadt Hamburg!

Die leidenschaftlichsten Wahlhamburger unter der Sonne…..

….ist eine wohl für uns passende Beschreibung. In dieser Kategorie wollen wir die vielen schönen, aber auch die wenigen weniger schönen Seiten Hamburgs beleuchten – zu Ersteren gehört meistens das Zuschauerdasein am Millerntor, wie wir an anderer Stelle schon geschrieben haben.

Was man über Hamburg grundsätzlich erzählen kann, wollen wir hier nicht wiederholen, denn das kann man überall nachlesen. Thema soll eher sein, wie WIR Hamburg subjektiv erleben.
Weiterlesen